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Verpasste Chance für Monheim: Rat lehnt Trainingscampus von Bayer 04 ab

Eine kurze, Einordnung der Abstimmung im Stadtrat vom 15.07.2026 sowie die Reden unseres Ratsmitglieds Martin Brand zum Bayer 04 Leistungszentrum.

In den Sitzungen im Juni und Juli wurde ausgiebig über das Ansinnen von Bayer 04 Leverkusen beraten, einen Trainingscampus in Monheim am Rhein zu errichten. Die FDP bewertet die seit November 2025 geführten Gespräche mit Bayer als äußerst konstruktiv. Auf alle Bedenken und Forderungen der FDP wurde im Prozess eingegangen. Daher können die Freien Demokraten der überarbeiteten Planung uneingeschränkt zustimmen und sehen es als zwingend notwendig an, in das Bebauungsplanverfahren einzusteigen.

Die FDP zeigt sich zutiefst frustriert darüber, dass in der Ratssitzung mit 25 zu 19 Stimmen gegen das Planverfahren gestimmt wurde.

Das zentrale Argument der Liberalen lautet: Erst im Rahmen des Planverfahrens hätte durch entsprechende Gutachten Klarheit über alle in den Sitzungen vorgetragenen Bedenken geschaffen werden können. Ohne diese sachliche Grundlage bewertet die FDP sämtliche vorgebrachten Bedenken gegen den Campus als reine Spekulation. Zudem folgen die Freien Demokraten der Auffassung der Verwaltung, dass es keine geeigneten Alternativflächen für den Fußballverein gibt.

Um die Haltung der FDP transparent zu machen, stellt die Partei die Reden ihres Mandatsträgers hier zur Verfügung. Transkript der Rede, zur besseren Lesbarkeit leicht geglättet.

Rede von Martin Brand im Ausschuss für Klimaschutz und Stadtplanung (18.06.2026)

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Mitglieder des Ausschusses,

ich möchte an dieser Stelle die Position der FDP einordnen, da wir im November 2025 guten Gewissens den damaligen Aufstellungsbeschluss abgelehnt haben. Das war unter den damaligen Umständen und bei der damaligen Planung durchaus gerechtfertigt. Frau Dannenberg hat es gesagt: Die damaligen Umstände – auch die Kommunikation – waren da eher ungünstig.

Wir hatten Bedenken geäußert, was die Größe der Planung angeht, was Anwohnerinteressen angeht und auch, was Natur- und Umweltbelange sowie den Charakter der „Grünen Acht“ betrifft. Im November hatte ich aber auch gesagt, dass die Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses für uns keine Absage ist, sondern der Beginn von Gesprächen sein wird.

Diese fanden statt und im Rahmen der Gespräche haben wir unsere Bedenken ganz klar geäußert. Wir hatten Vorschläge gemacht, wie man Abhilfe schaffen kann. Zum Thema Anwohnerschutz, der uns da besonders wichtig war, haben wir die Campusgröße und die minimal möglichen Abstandsflächen zur Wohnbebauung kritisiert, auch wenn es rechtlich tendenziell möglich wäre. Bayer hat den Campus entsprechend verkleinert, in unseren Augen auf das minimal Mögliche.

Wir hatten angeregt, eine gezielte Bepflanzung vorzunehmen, um Licht- und Lärmemissionen für die Anwohner zu begrenzen. Das wird umgesetzt. Die erhöhten Abstände zur Wohnbebauung sind durchgängig und zum Teil deutlich über 100 Meter. Dazwischen ist dann, wie gesagt, der deutlich aufgewertete Offenlandkorridor.

Was die „Grüne Acht“ angeht: Das Parkhaus wurde komplett aus dem Plangebiet verlegt, das Funktionsgebäude auf ohnehin bebaubare Flächen.

Wir haben die Möglichkeit, über einen städtebaulichen Vertrag ganz klare Rahmenbedingungen zu schaffen, was Beleuchtungszeiten, Trainingszeiten, Trillerpfeifeneinsatz und weiteres angeht, was irgendwo nachteilhaft für Bewohner sein könnte. Es werden Rad- und Joggingstrecken angelegt, die in der Funktion dessen, was das Feld jetzt ausmacht, hochwertigere Kompensationsmöglichkeiten für die Anwohnenden sind.

Weiterhin hatten wir nicht ausreichende Vorteile für Monheim gesehen, was die damalige Planung betrifft. Auch hier hat Bayer in unseren Augen gut nachgebessert: Zum Beispiel durch die Kostenübernahme bei der Teilsanierung der Alfred-Nobel-Straße und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der sowohl der Stadt als auch den Anwohnern deutlich mehr Planungssicherheit gibt.

Hinzu kommen das Angebot der Energiegenossenschaft sowie die Hochbauten, die entweder verschwunden sind, wie das Parkhaus, oder auf die ohnehin mögliche Fläche ausweichen. Und es gibt noch viele weitere Angebote an die Verwaltung: Das wäre zum Beispiel die Erarbeitung eines Sanierungskonzepts für die LEG-Bolzplätze im Berliner Viertel, bei der angeboten wurde, die Planung zu übernehmen.

Was die Ökologie angeht, sehen wir es so, dass der Offenlandkorridor eine deutliche ökologische Verbesserung zu den jetzigen Ackerflächen ist. Und, wie Herr Engel auch ausgeführt hat, mal ganz grundsätzlich und ungeachtet der politischen Positionierung: Was die ökologischen Aspekte angeht – Wind, Kaltluftbewegungen, Wasserverbrauch, Grundwasserschutz oder auch die Vereinbarkeit der jetzigen Planung mit dem Grünzug –, das kann eigentlich nur über entsprechende Gutachten erfolgen, die für die überarbeitete Planung gar nicht vorliegen.

Daher würden wir als Freie Demokraten dafür werben wollen, dass entsprechende Planverfahren eingeleitet werden, um klare Fachmeinungen über Gutachten zu erhalten.

Und ganz grundsätzlich: Die Politik in Deutschland sollte in den Modus der Ermöglichung kommen, anstatt nur Risiken zu sehen. Das fängt auch bei Projekten auf kommunaler Ebene an. In der beratenden Funktion, in der ich hier spreche, werbe ich dafür, dass der Ausschuss es ermöglicht, in dieses Verfahren einzusteigen. Nur so können wir die fachliche Expertise für die neue Planung über Gutachten einholen – für die Entscheidungsfindung, die letztendlich ja noch folgen wird.

Vielen Dank.

Rede von Martin Brand im Stadtrat (15.07.2026)

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren,

wie bereits eben [durch die Bürgermeisterin] ausgeführt, wurde die Planung deutlich überarbeitet, und aus Sicht der FDP ist diese Planung in der jetzigen Form auch durchaus zustimmungsfähig. Die Argumente für den Campus, aber auch – worum es jetzt eigentlich erst geht –, nämlich für den Einstieg in das Verfahren, hatte ich im Juni bereits ausgeführt.

Ich möchte aber noch einmal erwähnen: Um die Argumente gegen den Campus überhaupt erst bewerten zu können – insbesondere, was Bedenken zu Klima, Natur und Umwelt, aber genauso, was die berechtigten Sorgen der Anwohner, nämlich Licht- und Geräuschemissionen, angeht –, können wir hier überhaupt erst eine Bewertung treffen, wenn wir ins Verfahren einsteigen. Nur dann haben wir die Gutachten, die sich auf genau diese Planung, die jetzt vorliegt, beziehen. Erst dann können wir Fragen zu diesen Bedenken überhaupt verlässlich politisch bewerten.

Allgemein sollten wir in der aktuellen Situation in Deutschland froh sein, wenn ein Unternehmen hier in der Stadt Arbeitsplätze schaffen will, investieren will und einen Standort stärken statt rationalisieren will.

Unsere Bürgermeisterin hatte eben auch ausgeführt, die Verwaltung ist ein verlässlicher Partner für Unternehmen, und wir als Politik sollten das auch sein. Die FDP sieht sich hier in der Verantwortung, nicht die Bedenken und Hindernisse hervorzuheben, sondern die Möglichkeiten und Lösungen aufzuzeigen.

Wie erwähnt, werden die Hindernisse erst im Rahmen des Verfahrens analysiert und aufgezeigt. Für die FDP ergibt sich hieraus, dass der Einstieg in das Bauleitplanverfahren die einzige logische und vertretbare Entscheidung ist. Unsere Bürgermeisterin, Frau Wienecke, hatte eben einen Ratsbürgerentscheid ins Spiel gebracht und ihren Vorschlag begründet.

Wir würden heute sehr gerne direkt den Beschluss fassen, um in das Verfahren einzusteigen. Aber ich befürchte, dass sich das als schwierig gestaltet. Daher sehe ich den Vorschlag der Bürgermeisterin als sinnvolle, friedensstiftende und wahrscheinlich dann auch schnellste Möglichkeit, hier in dieser Frage weiterzukommen.

Vielen Dank.